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Schule ohne Burnout: Interview mit Ann-Marie Backmann

Inhaltsverzeichnis

"Schule ohne Burnout": Das Buch von Ann-Marie Backmann

Schule ohne Burnout Buch von Ann-Marie Backmann
Schule ohne Burnout, 2026

„Viele Lehrerinnen arbeiten in zwei Vollzeitjobs – einen sieht man, den anderen nicht“, sagt Ann-Marie Backmann.

Sie weiß, wovon sie spricht: Denn sie ist nicht nur dreifache Mutter, sondern auch Lehrerin an einer Gesamtschule. Außerdem bloggt sie und ist Coachin für Lehrkräfte.

Aus dieser Erfahrung heraus hat sie das Buch „Schule ohne Burnout“ geschrieben.

Im Interview sprechen wir darüber, warum die unsichtbaren Belastungen durch Mental Load und Emotional Load so viel Energie kosten.

Und Ann-Marie Backmann zeigt kleine, konkrete Veränderungen für den Schulalltag, mit denen sich Lehrkräfte vor Burnout und Überlastung schützen können.

Dabei spielen auch gesundheitsförderliche Strukturen in der Schule eine wichtige Rolle. Ann-Marie hat dazu das Bild des Beziehungsbaumes entwickelt und macht klar: „Gesunde Schulen entstehen nicht durch die Selbstoptimierung einzelner“.

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Mental Load und Emotional Load

Mental Load bezeichnet die ständige Kopfarbeit, in der du alles organisierst, planst und im Kopf behältst, damit der Schulalltag läuft. Zu diesem unsichtbaren Phänomen habe ich schon einmal mit Ann-Marie ein Interview geführt, das du dir hier anhören kannst.

Emotional Load geht darüber hinaus und umfasst die fortwährende Gefühlsarbeit, bei der du als Lehrkraft nicht nur deine eigenen Emotionen regulierst, sondern auch die Stimmung der Kinder und Konflikte mit Kolleg:innen. Du fängst Debatten auf und deeskalierst, damit nichts aus dem Ruder läuft.

Diese ständige Co-Regulation ist unsichtbar – und zehrt doch dauerhaft an deiner Energie.

Warum besonders oft Lehrerinnen überlastet sind

Lehrerinnen sind dabei oft doppelt belastet, weil sie neben dem sichtbaren Job in der Schule noch einen zweiten, gleichwertigen Job zu Hause haben, in dem dieselben Formen von Mental Load und Emotional Load anfallen: Planung von Familienalltag, emotionale Arbeit mit Partner und Kindern, Organisation von Terminen und das ständige Sorgen, dass zu Hause alles klappt.

Diese geschlechtsspezifische Doppelbelastung führt dazu, dass deine mentalen und emotionalen Reserven viel schneller aufgebraucht werden.

Zusätzlich finden viele Lehrerinnen selten vollständige Erholung. Das erklärt, warum viele Frauen im Lehrberuf besonders anfällig für Erschöpfung und Burnout sind.

Und, an dieser Stelle ganz wichtig: Es gibt auch Ausnahmen! Moderne Beziehungen, in denen die Care-Arbeit gerecht geteilt wird.

Beziehungsbaum: Gesunde Arbeitsstrukturen in der Schule

Wenn Lehrkräfte sich erschöpft und überfordert fühlen, suchen viele den „Fehler“ bei sich. Sie versuchen, sich selbst zu stabilisieren – obwohl das System Schule oft viel zu belastend und fordernd ist.

Ann-Marie Backmann macht deutlich: Es braucht gesundheitsförderliche Strukturen in der Schule, damit Lehrkräfte ihren Job lange und mit Freude ausüben können.

Anhand des „Beziehungsbaumes“ erklärt sie, wie Schulentwicklung wirklich nachhaltig gelingt:

Unter der Erde sitzen die Wurzeln – das sind unsere über Jahr(zehnt)e verinnerlichten Überzeugungen und Handlungsmuster, die oft unsichtbar bleiben, aber unser tägliches Verhalten lenken.

Daraus wächst der Stamm, also die sichtbaren Regeln, Abläufe und Werte, die man im Schulalltag beobachten kann.

Und in der Baumkrone zeigt sich schließlich, wie Beziehungen und die gemeinsam geteilte Vision der Schule aussehen, wofür wir arbeiten und wie gut Menschen miteinander verbunden sind.

Wenn an der Krone nur kosmetisch herumgedoktert wird – also immer nur neue Regeln oder zusätzliche Maßnahmen oben draufgepackt werden,  ändert sich langfristig wenig.

Erst wenn die Wurzeln  mit behandelt werden, kann der Stamm anders wachsen und die Krone stärker werden.

Das bedeutet: Erst wenn Handlungsmuster sichtbar gemacht, hinterfragt und gezielt verändert werden (zum Beispiel das Muster „ich mache das lieber allein“), führt das zu echten, nachhaltigen Entlastungen im Alltag.

Die Metapher zeigt auch konkret, wie Schulen vorgehen können:

Diese Schritte entsprechen dem RAST-Schema der De-Implementierung.

Sie tragen langfristig dazu bei, dass Lehrkräfte weniger in Aktionismus verfallen und beruflich wieder mehr Kraft gewinnen.

„Gesunde Wurzeln und ein stabiler Stamm schützen vor Stürmen.“

Konkrete Entlastungsstrategien für den Schulalltag

Mikro-Pausen als feste Routine

Plane kurze Pausen und gönn sie dir bewusst, auch mitten im Unterricht.

Zum Beispiel so: „Ich trinke kurz etwas, dann helfe ich dir bei deiner Aufgabe.“

Diese kleine Routine schützt dich vor körperlicher Erschöpfung und ist ein wichtiges Vorbild für Schüler:innen, weil du Selbstfürsorge vorlebst.

Priorisiere, delegiere, lerne loslassen

Übe das Abgeben: Nicht jede Aufgabe muss perfekt sein oder von dir allein gemacht werden.

Priorisiere Aufgaben nach Wirkung und Aufwand und gib weniger wichtige Aufgaben ab.

Das Wichtigste (und manchmal auch Schwierigste): Akzeptiere, dass manche Dinge anders, aber gut genug erledigt werden.

Mache unsichtbare Arbeit sichtbar und dokumentiere sie

Schreibe alle unsichtbaren Aufgaben auf und ordne sie, damit die To-dos nicht nur in deinem Kopf herumschwirren.

Nur sichtbare Aufgaben können geteilt werden!

Beschreibe die To-dos so konkret, dass andere sie übernehmen können (Schritt für Schritt). Sichtbare Anweisungen in der Teeküche oder auf Aushängen verhindern, dass immer dieselbe Person die Arbeit übernimmt.

NEIN sagen im (Schul-) Alltag

Wie du dich freundlich und klar abgrenzt – ohne dabei zickig und unkollegial zu wirken.

In diesem Kurs lernst du Schritt für Schritt, wie das geht.

Workbook: Nein sagen, gesunde Grenzen setzen nicht nur im Schulalltag. Material zum Online-Workshop
Workbook: Nein sagen, gesunde Grenzen setzen nicht nur im Schulalltag. Material zum Online-Workshop

Stärken im Kollegium nutzen statt Einzelkämpfertum

Du musst nicht die „gute Fee“ für alle sein. Statt darauf zu hoffen, dass andere die anfallenden Aufgaben sehen und übernehmen: Sprich mit deinen Kolle:innen.

Wenn jede Lehrkraft das tut, was ihr Freude macht und was ihr leicht von der Hand geht, sinkt die Belastung für alle.

Schafft klare, sichtbare Arbeitsabläufe

Verbindliche, transparente Regeln reduzieren den Mental Load. Das gilt sowohl für die Unterrichtsorganisation als auch für das tägliche Miteinander:

Raum für Gefühle und Bedürfnisse

Ermöglicht im Kollegium eine Kultur, in der du äußern darfst: „Mir geht es gerade nicht gut, ich brauche Unterstützung.“

Auch das Bedürfnis nach Ruhe und Rückzug sollte toleriert werden, soweit das im Schulgebäude möglich ist.

Ideen für eine erholsame Pausenkultur findest du hier.

Diese offene Kommunikation ermöglicht Lehrkräften, als Mensch in der Schule sichtbar zu sein. Mit allen Bedürfnissen, Stärken und Schwächen.

Buchtipp: "Schule ohne Burnout"

Im diesem Artikel und im Podcast-Interview hast du einen Einblick in Ann-Maries Konzept des Beziehungsbaumes und ihre Strategien gegen Mental Load bekommen.

Noch tiefer einsteigen kannst du mit ihrem Buch „Schule ohne Burnout. Wie du als Lehrkraft mental gesund und beziehungsstark bleibst.“

Klare Lese-Empfehlung von mir!

Denn Ann-Marie spricht aus der Praxis und gibt Lehrkräften erprobte und alltagstaugliche Schritte an die Hand, um sich vor Burnout und Überlastung zu schützen.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.

Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.

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