
Perfektionismus bei Lehrkräften: 3 Sätze, die dir im Schulalltag helfen
Perfektionismus kostet Lehrkräfte viel Kraft. Diese 3 Sätze und Beispiele aus dem Schulalltag helfen dir, entspannter zu arbeiten.
26 Grad zeigt das Thermometer morgens in deinem Klassenzimmer, und dabei ist es noch nicht mal halb 8!
Der Schweiß steht dir auf der Stirn, und im Kopf ist nur noch Watte. Deinen Schülerinnen und Schülern geht’s genauso.
Was ich unfassbar finde:
Wir schreiben das Jahr 2026, und in den allermeisten Schulgebäuden in Deutschland gibt es keine Klimaanlagen.
Ich denke, es ist klar: Klima-Anpassung ist auch eine Aufgabe in der Bildungspolitik!
Langfristig brauchen wir zum Schutz der Schüler:innen und der Lehrkräfte verlässliche und klare Regeln, auch für Oberstufe und Berufsschule. Dazu gehören neben der Klimatisierung der Schulgebäude auch z.B. feste Temperaturgrenzen und Hitze-Stundenpläne.
Wenn dein Klassenzimmer zur Sauna wird, dann brauchst du sofort Lösungen.
Du kannst nicht warten, bis irgendwann in (hoffentlich nicht allzu ferner) Zukunft in deiner Schule eine PV-Anlage auf dem Dach und eine Klimaanlage im Klassenzimmer installiert ist.
Deshalb habe ich in meiner Community nach alltagstauglichen Ideen gefragt. Und die habe ich hier für dich zusammengefasst:
Und vor allem: Den Kindern erklären, dass niemand bei großer Hitze Höchstleistungen bringen muss.
Das gilt übrigens nicht nur für deine Schülerinnen und Schüler!
Auch dein Körper hat bei Hitze ganz andere Bedürfnisse als sonst. Gönn dir deshalb bewusst kleine Erholungspausen, verteilt über den Tag.
Plane zeitliche Puffer ein.
Vergiss den Perfektionismus! Wenn in deinem Klassenzimmer tropische Temperaturen herrschen, dann geht es nur um eins: Den Schultag einigermaßen erträglich zu gestalten.
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Ventilatoren können im Raum verteilt oder gezielt eingesetzt werden, z.B. direkt neben deinem Pult. Sie kühlen zwar nicht, sorgen aber zumindest für einen angenehmen Luftstrom.
Die Schüler:innen dürfen kleine Handventilatoren mitbringen.
Eine Lehrkraft hat sich Rettungsdecken aus abgelaufenen Erste-Hilfe-Kästen organisiert. Von außen an die Fenster des Klassenraums geklebt, schrauben sie die Temperatur von 30 auf 26 Grad runter – immerhin…
Computer und andere Geräte erzeugen Wärme. Deshalb sollten nicht benötigte Geräte ausgeschaltet werden.
Mit einer Sprühflasche kannst du dir ab und zu ein bisschen Wasser auf Arme, Beine oder Nacken sprühen. Das bringt einen kleinen Frische-Kick für zwischendurch.
Ein bewährter Kneipp-Tipp: Die Unterarme werden komplett eingetaucht in kaltes Wasser. Der anschließende Kühleffekt hält eine ganze Weile an.
Herrliche Erfrischung für deine Füße!
Und vielleicht sogar etwas für deine Schüler:innen? Sie dürfen von zu Hause Mini-Planschbecken (oder Plastikwannen) mitbringen.
Trinken hat bei diesen Temperaturen Prio No. 1!
Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig, damit der Kreislauf stabil bleibt und der Gehirnstoffwechsel funktioniert. Außerdem beugst du damit Kopfschmerzen und Müdigkeit vor.
Baue deshalb ritualisierte Trinkpausen in den Unterricht ein: Zum Beispiel zwischen der Arbeitsphase und der Ergebnissicherung.
Die Trinkflaschen dürfen auf den Schülertischen stehen und erinnern so automatisch daran, ab und zu einen Schluck zu nehmen.
Wie wär’s mit ein paar Getränkespendern in deiner Klasse?
Schülerinnen und Schüler könnten diese abwechselnd betreuen und dort geeignete Getränke anbieten, zum Beispiel aromatisiertes, stilles Wasser mit verschiedenen Zusätzen wie Minze oder Zitronenscheiben, Johannisbeeren oder Ingwer.
Führt eine klasseninterne Strichliste: Wer hält den Rekord im Wassertrinken?
Eine etwas verrückte Idee, um die Kids zum Trinken zu animieren: Wie wär’s mit Partyspielen, z.B. Flunkyball?
Melonen, Gurken und natürlich Eis sorgen für Abkühlung und gute Laune!
In manchen Schulen kommt ein Eiswagen auf den Schulhof: Spendiert vom Förderverein der Schule.
Strohhalm-Atmung:
Mach einen Kussmund, als ob du einen Strohhalm zwischen den Lippen einklemmst. Atme 10 Mal langsam zischend ein und durch die Nase wieder aus.
Atmen durch das linke Nasenloch:
Halte das rechte Nasenloch zu. Atme durch das linke Nasenloch ein und aus, etwa zehn Atemrunden lang.
Bienen-Atmung:
Atme durch den geöffneten Mund ein, indem du die Luft zwischen deinen Zähnen einziehst. Beim Ausatmen summe: Mmmmmmm. Wiederhole das einige Male.
Diese Atemübungen beruhigen dein Nervensystem. Sie bringen angenehme Kühle in deine Stirn, den Hals und den Brustbereich und helfen dir, wieder klar zu denken.
Streue ab und zu eine der Atemübungen in deinen Unterricht ein.
Welche Atemübung mag deine Klasse am liebsten?
Ganz ehrlich: Bei extremer Hitze fühlt es sich manchmal so an, als ob das Gehirn rückwärts läuft – oder?
Völlig klar, dass du da von den Schülerinnen und Schülern nicht erwarten kannst, hochkonzentriert und super motiviert zu sein.
Und von dir selbst natürlich auch nicht!
Deshalb sind hier ein paar Ideen, wie ihr die gemeinsame Zeit sinnvoll und gleichzeitig entspannt verbringen könnt.
Was die Kinder und Jugendlichen vor allem lernen: Auch solche extremen Situationen können wir gemeinsam bewältigen!
Das stärkt den Zusammenhalt der Klasse und die Resilienz deiner Schüler:innen.
Wenn die Konzentration nachlässt, hilft eine kurze Pause. Der Unterricht wird an das Befinden angepasst – nicht umgekehrt.
Unterrichtsstunden werden auf 35 Minuten statt 45 Minuten gekürzt.
So fallen nicht immer wieder dieselben Fächer aus (die in der 5. und 6. Stunde liegen). Und außerdem ist früher Schulschluss.
Wenn möglich, ziehe in einen kühleren Raum um: Bibliothek, Werk- oder Musikraum.
Vielleicht kannst du auch zeitweise in den Keller ausweichen?
Überlegt auch ein Rotations-System: Damit alle Lerngruppen mal in den Genuss kommen, sich in einem kühleren Raum aufzuhalten.
Leg die wichtigen Unterrichtsinhalte und organisatorische Absprachen auf die ersten beiden Stunden.
Verbringt den Tag anschließend mit kreativen und spannenden Aufgaben, z.B. Malen und Basteln, Forschen und Knobeln.
Wenn es im Klassenraum genauso heiß ist wie draußen, dann ist die Atmosphäre aufgeheizt: Die Schülerinnen und Schüler sind gereizter als normalerweise. Kleine Streitigkeiten können schneller hochkochen.
Der Grund: Das Nervensystem wird durch die Hitze hochgefahren. Blutdruck und Puls sind erhöht. Viele Lehrkräfte berichten, dass sie in der Sommerhitze ein höheres Aggressionspotential in ihrer Klasse beobachten können.
Deshalb ist es wichtig, regelmäßig für Entspannung zu sorgen und Emotionen Raum zu geben.
Zum Beispiel mit einer Klage-Minute:
Alle dürfen eine Minute lang alles sagen, was sie an der Hitze nervt. Das entlastet und verbindet.
Immer wieder in den Unterricht einstreuen, z.B.:
Die Schüler:innen legen den Kopf auf den Tisch, schließen die Augen und atmen ruhig.
Eine Minute lang Stille genießen.
Die Schüler:innen machen es sich richtig gemütlich. Du dimmst das Licht und liest eine Geschichte vor.
Oder: Du lässt ein Hörspiel laufen – dann kannst auch du dich entspannen.
Melonen sind wahre Allrounder für den Matheunterricht!
So macht Mathe besonders viel Spaß – am Ende sorgen die Melonen für ein erfrischendes Frühstück.
Schön gestaltete Fächer falten und dann testen, was man damit wegpusten kann: Papierstückchen, Watte, leichte Gegenstände?
Und natürlich zur Abkühlung nutzen!
Beobachtet und zeichnet Wolken oder fotografiert sie.
Betrachtet Wolken-Kunstwerke!
Sprecht im Kunstunterricht über kalte und warme Farben. Gestaltet passende Bilder.
Könnt ihr den Kühl-Effekt der Farben wahrnehmen?
Lesen im Schatten, Mathematik unter einem Baum oder Sachunterricht auf der Tischtennisplatte – wenn die im Schatten steht. Sucht euch kühle Orte, an denen es noch frischen Sauerstoff gibt.
Gießkannen oder Einwegspritzen werden mit Wasser gefüllt und los geht’s mit der Partnerarbeit:
Kind 1 schreibt mit Wasser Buchstaben, Wörter, Sätze oder Matheaufgaben.
Kind 2 liest vor oder löst die Aufgabe. Danach wird getauscht.
In Partnerarbeit oder kleinen Gruppen: Vermuten, beobachten, Ergebnisse festhalten.
Ein Eiswürfel liegt in der Sonne, ein Eiswürfel im Schatten.
Wie lange dauert es, bis die Eiswürfel schmelzen?
Du stellst Fragen zum aktuellen Unterrichtsstoff.
Wer die richtige Antwort gibt, bekommt zur Belohnung einen kurzen Spritzer zur Abkühlung.
In eine große Schüssel mit kaltem Wasser legst du viele kleine, wasserfeste Gegenstände: Spielzeugtiere für die Badewanne, Kastanien, Eicheln, Würfel, Steine, Muscheln, …
Die Kids greifen nacheinander mit verbundenen Augen hinein und versuchen, die Gegenstände zu ertasten und zu erraten.
Vorab gestaltest du ein Bingo-Feld mit passenden Aufgaben.
Dann schickst du die Schüler:innen los, alleine oder in Teams, auf dem Schulhof oder im Klassenraum.
Sie sollen sie entsprechenden Dinge suchen und auf dem Bingo-Feld abhaken: Zum Beispiel etwas Blaues, Schatten, etwas Kaltes, ein bestimmtes Geräusch, usw.
Wenn der erste „Bingo!“ ruft, könnt ihr euch zum Austausch treffen: Was habt ihr gefunden?
Auf dem Schulhof zeichnest du ein großes Feld, unterteilt in Quadrate.
Jedes Kind gestaltet sein eigenes Feld. Vorher wird ein gemeinsames Thema festgelegt, z.B. Sommer, Unterwasserwelt, Ferien.
Am Ende entsteht ein großes Gemeinschaftsbild. Mach ein Foto davon – zur Erinnerung an die Hitzewelle!
Partnerarbeit auf dem Schulhof:
Ein Kind stellt sich in die Sonne, das andere Kind zeichnet den entstehenden Schatten mit Kreide nach.
Nach einer Stunde wiederholt ihr das an derselben Stelle: Was hat sich geändert? Warum?
Zeichnet den neuen Schattenumriss.
Beschrifte Wasserbomben mit Zahlen.
Die Schüler:innen arbeiten in Partnerarbeit oder in kleinen Gruppen.
Ihr braucht 2 Eimer pro Team (einer mit Wasser gefüllt, einer leer) und je einen großen Schwamm.
Die Schüler:innen bilden Teams. Auf ein Startsignal läuft je ein Team-Mitglied los. Es lässt einen Schwamm mit Wasser vollsaugen und rennt, so schnell es kann, mit dem nassen Schwamm vom Wassereimer zum leeren Eimer. Dort drückt es das Wasser aus, kehrt zurück und übergibt den Schwamm an ein anderes Teammitglied. Die Mannschaft, die am Ende das meiste Wasser gesammelt hat, gewinnt.
Zusatz-Tipp:
Verwendet das Wasser anschließend, um die Pflanzen im Klassenzimmer zu gießen. Die sorgen übrigens auch für ein angenehmes Raumklima.
Eine gute Gelegenheit, mal was Neues zu lernen: Jonglieren!
Mit Bällen, Jongliertüchern oder mit Wasserbomben – da ist die Erfrischung garantiert!
Besonders witzig:
Wenn jemand mit einem Jonglierteller balancieren kann, könnt ihr daraus eine Dusche machen!
Einfach auf den angedrehten Teller etwas Wasser gießen. Und schon bekommen alle umstehenden Kinder eine spritzige Abkühlung.
Drehteller erfrischende Dusche für alle umstehenden Kinder
Die Schüler:innen stellen sich in 2 Mannschaften hintereinander auf und reichen eine Wasserbombe vom ersten bis zum letzten Teammitglied durch. Dabei darf die Bombe über den Kopf oder auch unten durch die Beine durchgegeben werden. Nur umdrehen ist verboten!
In welcher Mannschaft läuft das Fließband schneller?
Dazu ein paar bewährte Tipps für die Organisation:
Teilt den Eltern am Vortag mit, dass die Kinder in Badekleidung (unter der normalen Kleidung) und mit Sonnencreme eingecremt in die Schule kommen sollen. Eventuell wäre es auch gut, ein Handtuch einzupacken.
Die Kinder dürfen Wasserpistolen von zu Hause mitbringen. Außerdem könnt ihr Schwämme bereitlegen, die immer wieder verwendet werden können.
Sorgt dafür, dass es einen Wasseranschluss gibt oder stellt mit Wasser gefüllte Wannen auf. Hier können die Wasserpistolen und Schwämme aufgeladen werden.
Wichtig:
Mitmachen ist freiwillig!
Schüler:innen und Lehrkräfte, die nicht nassgespritzt werden möchten, dürfen aus sicherer Entfernung zuschauen.
An extrem heißen Tagen ist Gesundheit wichtiger als der Lehrplan.
Es lohnt sich, diesen Satz im Schulalltag bewusst auszusprechen. Auch gegenüber den Kindern. Niemand muss Höchstleistung erbringen, wenn der Körper an seine Grenzen kommt.
Der Unterricht darf reduzierter und ruhiger sein.
Und der Spaß sollte nicht zu kurz kommen!
Jetzt ist die richtige Zeit für Spiele, die die Gemeinschaft stärken.
Du als Lehrkraft darfst deine Erwartungen reduzieren: An dich und deinen Unterricht und an die Schüler:innen.
Der Fokus in deinem Unterricht darf darauf liegen, für Entspannung und Stabilität in deiner Lerngruppe zu sorgen.
Sprecht darüber, wie es euch geht: Körperlich und emotional.
Überlegt, was euch gerade hilft, die Situation erträglicher zu machen: Mit euren Lerngruppen, aber auch im Kollegium.
So entsteht ein gemeinsames Verständnis für die Situation.
Heiße Tage im Klassenzimmer sind eine Belastung. Für Lehrkräfte und genauso wie für die Schüler:innen. Gleichzeitig lassen sich viele kleine Maßnahmen umsetzen, die den Schultag ein kleines bisschen erträglicher machen.
Es geht nicht darum, „Business as usual“ zu machen. Es geht darum, gut durch den Tag zu kommen. Mit Ruhe, Flexibilität und pfiffigen Ideen.
Wenn du als Lehrkraft deine Ansprüche herunterschraubst, schaffst du damit Raum für das, was wirklich zählt: Gesundheit. Beziehung. Und das gemeinsame Bewältigen einer Ausnahmesituation.
Wer schreibt hier eigentlich?
Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.
Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.
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