
Schule ohne Burnout: Interview mit Ann-Marie Backmann
Hilfreiche Strategien gegen Emotional und Mental Load: Warum Lehrerinnen besonders stark betroffen sind.
„Wenn die Zeugnisphase vorbei ist, habe ich wieder Zeit für meinen Chor.“
„Wenn ich diese Klasse abgegeben habe, wird es leichter.“
„Wenn endlich eine Vertretungslehrkraft da ist, wird mein Alltag ruhiger.“
So klingt das „Prinzip Hoffnung“ im Schulalltag.
Wenn du dich da wiedererkennst, bist du in guter Gesellschaft: Viele Lehrkräfte warten auf den Moment, in dem die Belastungen weniger werden. Damit sie endlich in Ruhe arbeiten und sogar ihre Freizeit genießen können.
Doch mal ganz ehrlich: Oft kommt dieser Moment nicht.
Auf die stressige Zeit des Elternsprechtages folgt kommt die anstrengende Zeugnisphase. Und so geht es immer weiter.
Das Problem ist nicht die Hoffnung selbst. Das Problem ist das Abwarten, ohne dass du aktiv wirst. Ohne dass du versuchst, deinen Schulstress zu reduzieren.
Denn dadurch lebst du nicht im Hier und Jetzt, sondern in einem „Dazwischen“. Entweder richtet sich die Hoffnung auf die nächste Lebensphase, in der alles leichter wird. Oder auf die nächste Phase im Schuljahr, die dann hoffentlich stressfreier läuft. Und natürlich auf das Wochenende und die Ferien.
Im Coaching begleite ich Lehrkräfte aller Altersstufen. Und da finde ich es immer wieder spannend, wie der Stress im Schulalltag begründet wird mit der Lebensphase, in der die Lehrer:innen gerade stecken.
Referendar:innen sagen:
„Wenn erstmal der Druck weg ist und mir keiner mehr auf die Finger schaut, …“
Berufseinsteiger:innen sagen:
„Wenn ich mich erstmal eingearbeitet habe in die zusätzlichen Fächer, …“
Nach 1-2 Jahren in der Schule:
„Wenn ich erstmal mehr Berufserfahrung habe, …“
Lehrkräfte Mitte 30, mit kleinen Kindern:
„Wenn meine Kinder größer sind, …“
Erfahrene Lehrer:innen:
„Jetzt ist es gerade besonders anstrengend, weil ich den Lärm in der Schule nicht mehr so gut verkrafte.“
Ich finde es total nachvollziehbar, so zu denken. Ich hab’s genauso gemacht.
Und natürlich stimmt es: Jede Lebensphase stellt dich vor andere Herausforderungen – nicht nur beruflich, auch in deinem Privatleben.
Und da ist es verständlich, dass du erstmal hoffst, dass sich mit dem Eintritt in eine neue Lebensphase auch der Stress, die Überforderung und die Anspannung lösen.
Aus Erfahrung weiß ich: Die Anforderungen ändern sich, aber sie werden nicht weniger.
„Die Zeit von Weihnachten bis Ostern war aber auch lang – da sind die Kinder einfach total überdreht.“
„Dieses Jahr sind die Sommerferien so früh – da ist es ganz besonders stressig, alle Arbeiten unterzubringen.“
„Wenn wir erstmal mit der QA durch sind, kann ich wieder besser schlafen.“
Du suchst nach Erklärungen dafür, warum du dauernd so angespannt und entnervt fühlst. Warum du einfach nicht fertig wirst mit deiner Arbeit.
Völlig verständlich, dass du als Lehrkraft hoffst, dass sich das Gefühl von Überforderung von alleine legen wird, wenn du erstmal die aktuelle Phase geschafft hast.
Und so mobilisierst du immer neue Kräfte, um auch die anstehenden Aufgaben zu bewältigen.
Du sehnst das Wochenende herbei und zählst die Tage bis zu den Ferien.
Endlich mal wieder richtig ausschlafen. Den Kopf frei kriegen, nicht an Schule denken. Zeit haben für Freunde und Familie.
Manchen Lehrkräften gelingt es tatsächlich, den Gedanken an Schule ganz weit weg zu schieben und wirklich abzuschalten.
Andere werden pünktlich zum Ferienbeginn krank.
Und wieder andere wissen: Das ist nur die Ruhe vor dem Sturm. Nach den Ferien geht das Spiel wieder von vorne los.
Viele Lehrkräfte leben nach dem Motto „Es ist nur eine Phase“ – und das ist Fluch und Segen zugleich.
Das Gute ist: Die Überzeugung, dass es nur für eine begrenzte Zeit so anstrengend sein wird, kann dir Zuversicht und Kraft schenken.
Das „Prinzip Hoffnung“ kann dich aber bewirken, dass du ständig über deine Grenzen gehst. Weil es ja nur eine Ausnahme ist. Weil es ja nur für eine begrenzte Zeit ist.
Du steckst im Dauerstress, du funktionierst nur noch – von einer Belastungsspitze zur nächsten. „Burn on“wird dieses Phänomen genannt – eine Vorstufe des Burnouts.
Du verschiebst deine Erholung auf später – und genau das macht auf Dauer mürbe. Nicht, weil du zu schwach bist. Sondern weil du zu lange zu viel (er)trägst.
Das Entscheidende ist: Deine Belastung wird nicht automatisch von allein kleiner. Wenn du nicht aktiv etwas veränderst, sondern dich selbst nur auf später vertröstest, landest du irgendwann in einem Mix aus Ärger, Frust und Erschöpfung.
Du merkst vielleicht, dass du gereizter wirst. Dass dir Gespräche schwerer fallen. Dass du weniger belastbar bist. Dass dich Lautstärke schneller anstrengt als früher. Oder dass du dich selbst immer öfter klein machst, obwohl du eigentlich sehr viel leistest.
Je länger du durchhältst, umso schwerer wird es, überhaupt noch ins Handeln zu kommen. Denn dieses „Fahren auf Sicht“ nimmt dir Klarheit.
Du bist dem Schleudergang des Schulalltags ausgeliefert, weil dir die Übersicht fehlt. Und der klare, selbstbewusste Entschluss, gut auf dich zu achten.
Und zwar unabhängig davon, was gerade in der Schule ansteht. Und ohne dich zu vergleichen mit Kolleg:innen.
„Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“
Dieser Satz von Albert Einstein zeigt, wie wichtig es ist, dass du selbst aktiv wirst.
Dass du die Warteposition verlässt und anfängst, aktiv deinen Schulalltag zu gestalten. Nach meiner Erfahrung geht das übrigens in den Ferien ganz besonders gut, weil du dann mehr Zeit hast – und vor allem auch den nötigen Abstand zum Hamsterrad Schule.
Du kannst starten mit kleinen Veränderungen in deinen alltäglichen Abläufen, um deine Belastung zu reduzieren.
In meiner Coaching-Praxis geht es dabei vor allem um diese Bereiche:
Meinen Klient:innen empfehle ich den Leitsatz:
„So gut wie nötig – statt so gut wie möglich.“
Deine Materialien müssen nicht besser und beeindruckender werden. Sondern einfacher. Prüfe, wo du doppelt arbeitest. Wo du zu viel vorbereitest. Wo du Material nur noch aus Gewohnheit neu baust. Jede freie Stunde, die du für dich gewinnst, ist ein Erfolg!
Regelmäßige Pausen bewirken, dass du am Ende des Arbeitstages weniger erschöpft bist.
Das weißt du vielleicht schon – aber hast du es auch schon probiert?
Plane Pausen ein: Sowohl in der Schule als auch am Schreibtisch. Nutze Embodiment-Übungen, um in wenigen Minuten frische Energie zu tanken.
Arbeite mit der Pomodoro-Technik und integriere regelmäßige Pausen in deine Unterrichtsvorbereitung.
Schau bewusster auf das, was dir gelingt. Nicht auf das, was noch nicht rund läuft.
Gerade erschöpfte Lehrkräfte übersehen ihre Erfolge – und oft spielt uns auch die Negativitätsverzerrung einen Streich!
Dabei brauchen wir die kleinen Erfolgserlebnisse, um langfristig die Freude am Beruf zu behalten. Und um unseren Selbstwert zu stärken.
Das sind 3 Beispiele für kleine Stellschrauben, an denen du drehen kannst. Um deinen Schulstress aktiv zu reduzieren und neue Kraft zu schöpfen.
Solche kleinen Routinen holen dich heraus aus der Ohnmacht und stärken deine Selbstwirksamkeit.
Die 3 Ideen für kleine Veränderungen sind ein guter Anfang, um wieder mehr Gestaltungsspielraum zurückzugewinnen. Damit du dich befreist aus dem Schleudergang des Schulalltags.
Ich wünsche dir von Herzen, dass du dir das selbst erlaubst.
Aus der Zusammenarbeit mit vielen Lehrkräften weiß ich aber: Oft fehlt genau diese innere Erlaubnis. Viele Lehrkräfte gestehen sich nicht zu, auf sich selbst zu achten. Auch dann, wenn sie die eigene Erschöpfung spüren, mobilisieren sie weitere Reserven, um auch die nächste herausfordernde Phase zu schaffen.
Sie verlieren sich in Selbstzweifeln und vergleichen sich mit Kolleg:innen, die scheinbar mühelos so viel mehr schaffen.
Genau dort setze ich mit meinem Coaching an: Mit ressourcenorientierten Methoden aus der Positiven Psychologie stärkst du deinen Selbstwert. Du entwickelst ein klares Bewusstsein für deine Stärken und übst, dich besser abzugrenzen.
Gemeinsam lösen wir hinderliche Glaubenssätze auf, die dich immer wieder dazu bringen, deine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
Dein Selbstwert ist kein „Nice to have“. Er ist eine wichtige Kraftquelle im Schulalltag. Ein gesunder Selbstwert hilft dir dabei, dich nicht nur über Leistung zu definieren.
Er erinnert dich daran, dass du mehr bist als Klassenleitung, Kollegin und Anspechpartner:in der Eltern. Du darfst gut für andere da sein, ohne dich selbst zu verlieren. Und du darfst dir Pausen, Schutz und Entlastung erlauben, weil du sie verdienst.
Genau dabei kann Unterstützung den Unterschied machen. Mein Coaching-Angebot bietet dir Einzelcoaching für maßgeschneiderte Begleitung. Es gibt dir Raum für Veränderung in deinem Tempo. Und es ist darauf ausgerichtet, dir den Druck aus deinem Schulalltag zu nehmen.
Hier kannst du dein kostenfreies Orientierungsgespräch buchen.
Du musst nicht weiter nach dem „Prinzip Hoffnung“ leben. Du darfst anfangen, dir dein Leben zurückzuholen. Heute.
Wer schreibt hier eigentlich?
Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.
Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.
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