Nach meinem 2. Staatsexamen war ich ein paar Monate als Feuerwehr-Lehrerin unterwegs.
Ende der 90er Jahre gab es in NRW einen Vertretungspool mit Lehrkräften, die so auf Abruf bereitstanden. (Warum gibt’s so etwas eigentlich nicht mehr? War ne super Sache.)
Das bedeutete für mich: Jeden Morgen neben dem Telefon sitzen und auf einen Anruf vom Schulamt warten. Und dann hieß es: „Liebe Frau Schmidt, Sie machen heute bitte Vertretungsunterricht an der ABC-Schule in XY.“
Dann habe ich mich ins Auto gesetzt und bin losgedüst!
In dieser Zeit habe ich so ziemlich alles erlebt:
Ich bin in Schulen gelandet, in denen der Vertretungsunterricht bis ins Kleinste vorbereitet war. Da lag eine Planung für mich, zusammen mit kopierten Arbeitsblättern, und ich konnte einfach loslegen.
Und es passierte auch, dass mich der Schulleiter in Empfang nahm mit den Worten: „Gehen Sie einfach in die Klasse. Ich habe keine Ahnung, was da gerade dran ist – machen Sie einfach mal …“
Das war für mich als frischgebackene und unerfahrene Lehrerin echt hart. Ich musste mich richtig durchbeißen.
Nach ein paar Wochen hat sich etwas geändert: Ich habe meine Ansprüche an den Vertretungsunterricht gewaltig heruntergeschraubt.
Und das hat alles verändert.
Ich machte mir nicht mehr den Druck, dass in der Vertretungsstunde unbedingt das laufen muss, was im normalen Unterricht läuft.
Vertretungsunterricht ist eine Ausnahmesituation.
Außerdem habe ich kapiert: Als Lehrerin brauchst du im Vertretungsunterricht etwas, um die Schüler:innen zu begeistern.
Ansonsten kriegst du nämlich in einer fremden Klasse, in der du keinen einzigen Namen kennst, kein Bein an die Erde.
Ich hab mir darum ein Feuerwehrköfferchen (Vertretungsköfferchen) gepackt.