
Burnout als Lehrerin: Meine Geschichte und der Weg zur radikalen Selbstfürsorge
Meine persönliche Burnout-Erfahrung als Lehrkraft. Erfahre, wie ich meine Sicht auf Schule verändert habe und was radikale Selbstfürsorge für mich bedeutet.
Passiert dir das auch immer wieder? Du suchst stundenlang im Netz nach dem passenden Arbeitsmaterial und bist am Ende entnervt. Du entscheidest dich für Arbeitsblatt X, bist aber nicht wirklich zufrieden. Vielleicht wäre Arbeitsblatt Y doch die bessere Wahl gewesen?
Genau das ist eine alltägliche Erfahrung vieler Lehrkräfte: Schon eine scheinbar kleine Handlung kostet Kraft.
Die Materialauswahl, die Formulierung einer Elternmail, die Erstellung einer Liste für Unterrichtsbeobachtungen.
Im Kopf herrscht ein Durcheinander von Überforderung, Erschöpfung und Unsicherheit. Viele fühlen sich wie gelähmt angesichts der Auswahlmöglichkeiten.
Decision Fatigue heißt dieses Phänomen.
Und es betrifft Lehrkräfte besonders stark.
In diesem Artikel verrate ich dir, warum die Anforderungen im Schulalltag diesen heimlichen Belastungsfaktor begünstigen.
Und welche 3 Strategien helfen, um der Decision Fatigue vorzubeugen.
Decision Fatigue bedeutet Entscheidungsmüdigkeit. Dahinter steckt die Annahme, dass Entscheidungen Energie verbrauchen.
Genau das wurde auch in psychologischen Studien untersucht: In Gehirnscans zeigte sich zunächst ein Bereich im Gehirn, der für Entscheidungen zuständig ist. Sobald die Teilnehmenden zwischen verschiedenen Möglichkeiten wählen mussten, wurde dieser Bereich besonders aktiv. Doch wenn die Auswahl zu groß wurde, brach die Aktivität in der entsprechenden Hirnregion irgendwann regelrecht zusammen. Die Teilnehmenden machten mehr Fehler und fühlten sich zunehmend frustriert, überfordert und unsicher.
Genau das macht Decision Fatigue so belastend. Irgendwann fehlt einfach die Kraft, noch klar zu entscheiden. Selbst kleine Entscheidungen fühlen sich dann plötzlich anstrengend an.
Wenn die Entscheidungskraft nachlässt, schaltet das Gehirn auf Energiespar-Modus um. Wir treffen schlechtere Entscheidungen, auch in Bezug auf uns selbst.
So kann es dir passieren, dass du dich am Ende eines anstrengenden Schultages mit einer Tüte Chips auf dem Sofa wiederfindest – obwohl du doch eigentlich zum Sport gehen wolltest.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Podigee. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenFür dich als Lehrkraft ist das Phänomen Decision Fatigue besonders relevant. Denn im Schulalltag müssen unzählige Entscheidungen getroffen werden: Was mache ich? Wie mache ich das? Wann mache ich es?
Genau diese vielen kleinen Entscheidungen summieren sich im Laufe des Tages.
Schon morgens im Unterricht geht es los: Welchen Schüler, welche Schülerin nehme ich jetzt dran? Reagiere ich streng oder großzügig? Reagiere ich spontan oder ziehe ich meinen Plan durch?
Studien zeigen: Lehrkräfte treffen ungefähr zweihundert Entscheidungen pro Unterrichtsstunde. Hochgerechnet auf einen Schulmorgen kommst du da auf mindestens 1000 Entscheidungen im Unterricht!
In der Schulpause wird deine Entscheidungskraft weiter gefordert: Lehrerzimmer oder Klassenraum? Mails checken oder kurz durchatmen? Mit der Kollegin sprechen oder noch schnell die Arbeitsblätter kopieren?
Und nach dem Unterricht hört es nicht auf: Bleibe ich noch in der Schule und räume den Raum auf? Oder fahre ich in den Supermarkt und kaufe fürs Abendessen ein?
Bei der Einteilung der Arbeitszeit zu Hause geht es weiter: Korrigiere ich die Klausuren heute- oder lieber morgen, wenn ich ausgeruht bin?
Genau darin liegt die besondere Herausforderung des Lehrerberufs. Es ist ein großes Plus, so viel Gestaltungsfreiheit zu haben. Du kannst Unterricht kreativ planen und deinen Alltag selbst strukturieren. Gleichzeitig bedeutet diese Freiheit aber auch: Du musst ständig entscheiden. Und genau das erschöpft und überfordert auf Dauer viele Lehrerinnen und Lehrer.
Zur Entscheidungsmüdigkeit kommt oft noch etwas dazu: FOBO, die „Fear of Better Options“. Also die Angst, dass die getroffene Entscheidung falsch war. Weil es vielleicht doch noch eine bessere Möglichkeit gegeben hätte.
Das kennst du vielleicht: War das wirklich das passende Differenzierungsangebot? Habe ich die Leistungen der Schülerin angemessen benotet? Hätte ich eine individuellere Rückmeldung geben können?
Die Befürchtung, dass es eventuell eine bessere Option gegeben hätte, sitzt vielen Lehrkräften dauerhaft im Nacken.
Obwohl die Entscheidung getroffen wurde, wird innerlich wieder und wieder hinterfragt, ob das so in Ordnung war. Diese Gedankenschleifen führen zu Unsicherheit und können in einer belastenden Spirale aus Erschöpfung und Selbstabwertung enden.
20.000 Entscheidungen treffen wir pro Tag – laut Hirnforscher Ernst Pöppel.
Und ich behaupte: Als Lehrkraft sind es bestimmt noch einige mehr.
Denn morgens in der Schule bist du ständig in Interaktion mit anderen Menschen: Du musst reagieren, entscheiden, organisieren – und kannst dich dem nicht entziehen.
Umso wichtiger, dass du dir deine Entscheidungskraft gut einteilst. Damit am Ende des Tages auch noch etwas übrig ist, wenn du deinen wohlverdienten Feierabend genießen möchtest.
Deshalb habe ich hier 3 wirksame Strategien für dich, um der Decision Fatigue vorzubeugen.
Der erste wirksame Schritt ist ganz einfach: Reduziere die Auswahlmöglichkeiten.
Wenn du weniger entscheiden musst, entlastest du deinen Kopf und bringst mehr Ruhe in deinen Alltag.
Dabei helfen feste Routinen, besonders bei kleinen Alltagsdingen. Wenn bestimmte Abläufe feststehen, verbrauchst du morgens nicht schon deine ganze Entscheidungskraft.
Im Coaching erarbeite ich mit meinen Klient:innen auch energiesparende Routinen für die Unterrichtsvorbereitung: Wenn bestimmte Worksflows feststehen, wirkt das sehr entlastend. Denn dann kannst du dich auf die Unterrichtsinhalte konzentrieren, statt weiter über deine Arbeitsschritte nachzugrübeln.
Einer meiner Lieblingssätze im Coaching: So gut wie nötig – statt so gut wie möglich.
Denn es gibt sie nicht, die perfekte Entscheidung. Das perfekte Material, die perfekte Unterrichtsplanung.
Hilfreicher ist dieser Gedanke: Das ist für diesen Moment die beste Wahl.
Wenn du lernst, schneller und klarer zu entscheiden, sparst du Kraft. Deine Entscheidungssicherheit wächst mit der Zeit. Wie ein Muskel, den du trainierst.
Vor allem das ständige Zögern und innerliche Überprüfen kostet Energie. Darum darfst du Entscheidungen auch einfach stehen lassen.
Social Media einschränken: Das war für mich der Gamechanger!
Ich war früher oft und gerne auf Instagram & Co. unterwegs, auf der Suche nach Inspiration für meinen Unterricht. Und vielleicht nutzt du Social Media auch als Ideenbörse. Verständlich. Dort gibt es kreative Ideen, schöne Materialien und liebevoll gestaltete Lernräume zu bewundern.
Doch genau diese Ideenfülle hat mich restlos überfordert. Je größer die Auswahl, umso größer meine Unsicherheit.
Im Vergleich mit den Hochglanz-Bildern erschien mir meine (eigentlich) fix und fertig geplante Unterrichtsstunde plötzlich nicht mehr gut genug. Vielleicht gäbe es doch noch ein besseres Spiel? Oder ein schöneres Material? Oder eine kreativere Methode?
Und schon steckte ich in der nächsten Entscheidungsschleife.
Für mich haben sich diese Strategien bewährt:
Decision Fatigue entsteht nicht, weil du zu wenig belastbar bist. Sie entsteht, weil dein Alltag unglaublich viele Entscheidungen verlangt.
Dein Job in der Schule bietet dir viel Gestaltungsfreiheit. Gleichzeitig fordert genau diese Freiheit jeden Tag enorme mentale Energie.
Darum brauchst du nicht noch mehr Optimierung. Du brauchst Entlastung.
Genau da setzt mein Coaching an: Nach 25 Jahren in der Schule kenne ich deine täglichen Herausforderungen als Lehrkraft. Und ich weiß, welche Routinen dich dabei unterstützen, in deinem Job gesund zu bleiben und dir die Freude daran zu erhalten.
Verabrede dich gerne mit mir zu einem kostenfreien Orientierungsgespräch.
Wer schreibt hier eigentlich?
Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.
Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.
Das interessiert dich bestimmt auch:

Meine persönliche Burnout-Erfahrung als Lehrkraft. Erfahre, wie ich meine Sicht auf Schule verändert habe und was radikale Selbstfürsorge für mich bedeutet.

Erfahre, wann eine Gefährdungsanzeige für Lehrkräfte sinnvoll ist und wie du sie stellst. Mit konkreten Beispielen aus dem Schulalltag.

Viele Lehrkräfte hoffen, dass die Überforderung nur eine Phase ist, die von alleine vorbeigeht. Ein Trugschluss. Warum das Leben nach dem „Prinzip Hoffnung“ deine mentale Gesundheit gefährdet.
Entspannungszeit für Lehrkräfte
Live-Workshop für 0 €
am 17.6.26, 17 – 17.30 Uhr