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Teilzeit als Lehrkraft – Vollzeit im Kopf?

Inhaltsverzeichnis

Gefühlt immer mit Schule beschäftigt

Ich kann gar nicht zählen, wie oft ich gefühlt das ganze Wochenende über mit Schule beschäftigt war.

Wenn ich mir zum Beispiel vorgenommen hatte, am Wochenende den Unterricht vorzubereiten – dann war ich gedanklich schon am Samstag damit beschäftigt. Auch, wenn ich frei hatte.

Am Sonntag erledigte ich die Unterrichtsplanung dann häppchenweise: Eine halbe Stunde vor dem Frühstück, eine Stunde in der Mittagszeit und dann nochmal abends an den Schreibtisch.

Unterm Strich hatte ich vielleicht 3 oder 4 Stunden gearbeitet – aber dennoch hatte die Schule wieder mal mein ganzes Wochenende vereinnahmt.

Und das, obwohl ich nur eine Teilzeitstelle hatte!

Viele Jahre lang hatte ich keine Idee, wie ich meine Arbeitszeit runterschrauben sollte. Bis ich dann durch die Geburt meiner Söhne eine verblüffende Entdeckung machte!

In diesem Beitrag erzähle ich dir mehr darüber:

Du erfährst, wie der Parkinson-Effekt dafür sorgt, dass sich deine Arbeit manchmal ewig hinzieht.

Und wie du genau diesen Effekt nutzen kannst, um deine Arbeitszeit klar einzugrenzen – und deine Freizeit mit gutem Gewissen zu genießen!

Die Ursache: Der Parkinson-Effekt

Das, was ich als Lehrerin erlebte, begegnet mir heute in meiner Coaching-Praxis fast täglich:

Obwohl du als Lehrerin auf dem Papier eine halbe Stelle hast, arbeitet dein Kopf in Vollzeit für die Schule!

Woran liegt das?

Hier wird das Parkinsonsche Gesetz der Zeit spürbar. Es besagt: „Arbeit dehnt sich immer so lang aus, wie man ihr Zeit zur Erledigung einräumt.“ 

Das bedeutet für deinen Arbeitsalltag als Lehrkraft: Wenn du einer Aufgabe viel Zeit gibst, braucht die Aufgabe viel Zeit.

Ein ganzer Tag, um eine Postkarte zu verschicken?

Kleiner Fun-Fact: Die witzige Geschichte hinter dem Namen dieses Phänomens. Die möchte ich dir nicht vorenthalten!

Der britische Historiker C. Northcote Parkinson schrieb 1955 eine Satire.

Sie erzählt von einer Dame, die den ganzen Tag braucht, um eine Postkarte zu verschicken: Erst sucht sie eine Karte, dann die Brille, dann schreibt sie ewig – und am Ende ist der Tag vorbei.

Diese (sehr überspitzte) Geschichte verdeutlicht, wie eine kleine Aufgabe die ihr gegebene Zeit ausfüllt. Denn die alte Dame hat den ganzen Tag Zeit …

Parkinson-Phänomen bei der Unterrichtsvorbereitung

Du bist keine alte Dame – und ich bin sicher, dass du nicht unbegrenzt Zeit hast.

Und dennoch schlägt der Parkinson-Effekt auch bei dir als Lehrkraft zu: Denn deine Arbeitszeit ist nicht klar definiert.

Wenn du genau darauf achtest, ihr Grenzen zu setzen, dann dehnt sie sich munter aus – bis in die letzte Minute.

Und das kann ganz unterschiedlich aussehen. Je nachdem, ob du eher perfektionistisch veranlagt bist oder zum Aufschieben neigst.

Du brauchst länger als nötig

Du suchst ein passendes Arbeitsblatt für deinen Unterricht. Eigentlich würden 30 Minuten, maximal eine Stunde ausreichen für die Materialrecherche. Aber wer weiß, wenn du noch länger im Internet surfst, findest du vielleicht noch ein besseres Arbeitsblatt?

Und so vergehen auch schonmal mehrere Stunden, bis du halbwegs zufrieden bist mit deiner Auswahl.

Das Ergebnis ist, dass dieses To-do mehr Zeit frisst, als es sollte.

Du arbeitest immer wieder punktuell an der Aufgabe

Die Aufgabe bleibt dauerhaft offen, so wie ein geöffneter Tab an deinem Computer.

Du erledigst sie in kleinen Häppchen in der zur Verfügung stehenden Zeit.

Ein typisches Beispiel aus meiner Coaching-Praxis:

Du hast noch vier Wochen Zeit, bis du mit einer neuen Unterrichtsreihe starten willst.

In diesem Zeitraum arbeitest du immer mal wieder daran. Du verteilst die Arbeit über die vier Wochen, ohne sie wirklich abzuschließen. So bleibt die Aufgabe permanent präsent und bindet viel Energie.

Es entsteht das Gefühl, dass du dauernd mit Schule beschäftigt bist.

Und durch den Sägezahn-Effekt brauchst du unterm Strich auch viel länger, als wenn du die Reihenplanung in einem Rutsch erledigt hättest!

Du erledigst die Aufgabe auf den letzten Drücker

Du schiebst die Unterrichtsvorbereitung (das Konferenzprotokoll, das Zeugnisschreiben,…) so lange vor dir her, bis die zur Verfügung stehende Zeit fast abgelaufen ist.

Und arbeitest dann auf den letzten Drücker und in großer Hektik alles auf einmal weg.

Das ist die Prokrastinations-Variante des Parkinson-Effekts.

Völlig klar, dass du dir damit jede Menge Stress bescherst.

Und ganz ehrlich: Mir geht es so, dass ich mich in der Aufschiebe-Zeit mit einem schlechten Gewissen rumquäle. Ich weiß ja ganz genau, welches To-do noch offen ist.

Also habe ich mich auch dann während des gesamten Zeitraums mit dieser (unerledigten) Aufgabe beschäftigt.

Wie ich den Parkinson-Effekt als junge Lehrerin entdeckt habe

Ich erinnere mich noch ganz genau an meine allererste Woche als Lehrerin. Ich wollte eine Mathestunde planen und hatte dafür den ganzen Nachmittag Zeit.

Und rate mal, was passiert ist?

Na klar: Ich habe tatsächlich den ganzen Nachmittag gebraucht! Für die Planung einer einzigen Mathestunde!

Weil ich die Zeit dafür hatte und nichts anderes drängte.

Damals wusste ich noch nichts vom Parkinson-Effekt. Aber ich wusste: So kann ich das auf Dauer nicht machen!

Mir war schon klar, dass ich da irgendwas „falsch“ mache. Aber was?

Und dann kamen unsere Söhne auf die Welt. Und mit ihnen: Ein völlig anderer Blick auf meine Zeit und wie ich sie einsetzen wollte.

Plötzlich hatte ich nur noch kurze, knackige Zeitfenster zur Verfügung. Nämlich immer dann, wenn die Jungs schliefen. Oder später dann: Wenn sie verabredet waren, zum Sport unterwegs oder bei der Oma.

Ich lernte, meine Arbeit in diesen kleinen Zeitinseln zu erledigen. Und war selbst überrascht, wie gut das funktionierte!

Es ging nicht um Perfektion. Es ging um Fertigwerden.

Ich hielt dieses Phänomen anfangs noch für meine ganz persönliche Entdeckung – bis ich dann rausgefunden habe, dass der gute Herr Parkinson es schon im letzten Jahrhundert beschrieben hat.

Wie auch immer: Ich habe von da an dieses Phänomen genutzt, um meine Arbeitszeit zu reduzieren.

In dieser Podcast-Folge erzähle ich dir mehr darüber:

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Mehr Informationen

Drei Strategien für weniger Zeit am Schreibtisch

Arbeitszeit realistisch einschätzen

Arbeitszeit begrenzen

Bevor du anfängst, frage dich: Wie lange brauche ich?

Bei der Suche nach dem richtig guten Arbeitsblatt: Setze 15 oder 30 Minuten. Wenn du das als Limit nimmst, arbeitest du gezielter. Du vermeidest stundenlanges Herumfeilen.

Timeboxing: Klare Zeitfenster nutzen

Gib der Aufgabe ein festes Zeitfenster. Stell eine Küchenuhr auf 30 Minuten. Arbeite konzentriert. Timeboxing schafft Fokus und verhindert Zerstreuung.

Bei mir waren das die 30-90 Minuten, wenn meine Söhne schliefen.

Oder der Sonntagvormittag, wenn mein Mann mit den Jungs um Schwimmbad war. In dieser Zeit habe ich fokussiert vorbereitet — und es reichte oft. Solange ich meinem Motto treu blieb: „So gut wie nötig. Statt so gut wie möglich.“

In diesem Artikel schreibe ich darüber, wie ich Familienleben und Unterrichtsvorbereitung vereinbare.

Setze echte Deadlines

Lehrerin sitzt am Schreibtisch, ihr Kind möchte ihre Aufmerksamkeit

Begrenzte deine Arbeitszeit, indem du dich selbst austrickst. Was meine ich damit?

Nutze Anschlusstermine, die es dir unmöglich machen, deinem Perfektionismus zu frönen.

Ein Beispiel:

Wenn ich um 18 Uhr zum Sport will, fange ich um 17 Uhr mit der Materialrecherche an. Wenn ich pünktlich beim Training ankommen möchte, habe ich meine Arbeitszeit durch diesen kleinen Kniff begrenzt.

Wichtig dabei:

Du brauchst einen richtig guten Grund – oder, wie eine meiner Klientinnen es mal nannte: „einen unabwendbaren Anschlusstermin“.

Das kann ein Arzttermin sein, gerne aber auch etwas Schönes, auf das du dich freust.

Bei mir war damals der richtig gute Grund: Ich wollte einfach Zeit haben für meine Kinder! Und deshalb war völlig klar, dass meine Arbeit dann beendet war, wenn die beiden wach waren nach ihrem Mittagsschlaf oder wenn ich nachmittags was Schönes mit ihnen vorhatte. Das war für mich immer ein richtig guter Grund, vom Schreibtisch aufzustehen.

Nur DU kannst deine Arbeitszeit begrenzen

Wenn du bis hier gelesen hast, ist dir hoffentlich klarer, warum deine Unterrichtsvorbereitung und die Korrektur der Klausuren sich manchmal wie Kaugummi zieht oder warum du erst auf den letzten Drücker fertig wirst.

Und du hast jetzt ein paar bewährte Strategien an der Hand, um das Parkinson-Gesetz zu deinem Vorteil zu nutzen.

Und da habe ich eine gute und eine schlechte Nachricht für dich:

Die gute Nachricht ist, dass deine Arbeitszeit kann nur von dir begrenzt werden kann.

Und die schlechte Nachricht ist, dass deine Arbeitszeit nur von dir begrenzt werden kann.

Hä?!

Das ist tatsächlich eine gute und eine schlechte Nachricht!

Denn du weißt jetzt, du kannst darauf Einfluss nehmen, wie du mit deiner Zeit umgehst. Aber du bist eben auch dafür verantwortlich, dass Einfluss darauf nimmst.

Wenn du es nicht tust, dann tut es keiner. Weil deine Arbeitszeit als Lehrkraft theoretisch unbegrenzt ist – anders, als in anderen Berufen.

Dazu brauchst du eine gute Portion Selbstführung, aber es ist machbar.

Zeitmanagement-Coaching für Lehrkräfte

Du hast schon alle möglichen Zeitmanagement-Methoden versucht und trotzdem keine Zeit für Familie, Freunde und Hobbies gewonnen?

Das ging mir viele Jahre ganz genauso. 

Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass die üblichen Zeitmanagement-Methoden für uns Lehrkräfte einfach nicht funktionieren – weil unser Alltag anders ist.

In meinen 25 Jahren als Lehrerin habe ich für mich passende Konzepte entwickelt, um meine Arbeitszeit auf ein vernünftiges Maß zu begrenzen: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.

Und vor allem: So, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein konnte.

Mein praxiserprobtes Konzept vermittle ich im Einzelcoaching – und einmal im Jahr gibt’s dazu ein Gruppencoaching-Programm. Hier findest du alle Infos zum „Zeitmanagement für Lehrkräfte“.

Vereinbare gerne ein unverbindliches Kennenlerngespräch mit mir. Gemeinsam finden wir heraus, welches Format das richtige für dich ist.

Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.

Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.

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