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Erstes Smartphone und Klassenchat: So kannst du Eltern als Lehrkraft beraten

Inhaltsverzeichnis

Erstes Smartphone? Die Fragen der Eltern bringen viele Lehrkräfte ins Schwitzen

Bei Elternabenden und Elternsprechtagen tauchen sie immer wieder auf: Fragen rund um das erste Smartphone, WhatsApp und den Klassenchat. Gerade wenn ein Schulwechsel bevorsteht, beschäftigen sich viele Familien damit.

Du als Lehrkraft stehst dabei oft vor einer schwierigen Aufgabe, denn du hast sehr unterschiedliche Eltern vor dir.

Die einen möchten digitale Medien möglichst lange fernhalten aus dem Familienalltag. Andere geben ihrem Kind schon früh ein eigenes Handy und freien Zugang zum Internet.

Eine allgemeingültige Antwort darauf, wie du Eltern beraten solltest, gibt es also nicht. 

Genau das war ein zentraler Punkt im Gespräch mit Katherine, Mareike und Henning, die im Bereich Medienpädagogik mit Familien, Schulklassen und Fachkräften arbeiten.

Aus ihrer reichhaltigen Praxiserfahrung können die drei dennoch einige wertvolle Tipps geben, wie du als Lehrer:in Eltern unterstützen und beraten kannst – damit sie selbst eine gute Entscheidung für ihre Familie treffen können.

Elternabend Geballte Medienkompetenz
Henning, Katherine und Mareike: Geballte Medienkompetenz

Das erste Smartphone: Wann ist der richtige Zeitpunkt?

Den absolut perfekten Zeitpunkt, der für jedes Kind passt? Den gibt’s nicht, sagt Katherine.

Es geht nicht darum, ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Klassenstufe festzulegen. Vielmehr sollte die Entscheidung aus dem Familienalltag heraus entstehen.

Ein Grund kann zum Beispiel ein veränderter Schulweg sein. Vielleicht besucht das Kind nun eine weiterführende Schule. Es ist länger unterwegs. Die Familie möchte erreichbar sein. Vielleicht soll das Kind anrufen können, wenn es von der Schule abgeholt werden möchte oder wenn etwas länger dauert.

Ein anderer Grund kann sein, dass sich das Kind zunehmend ausgeschlossen fühlt. Wenn immer mehr Kinder in der Klasse ein Smartphone besitzen, entsteht schnell der Wunsch, ebenfalls eines zu haben. Auch das kann für Eltern ein wichtiger Aspekt sein.

Entscheidend ist dabei die bewusste Entscheidung der Eltern. Sie sollten sich fragen: Traue ich mir zu, mein Kind jetzt bei diesem Schritt zu begleiten? Oder schaffe ich das im Moment noch nicht und möchte lieber warten? Beides kann eine gute Entscheidung sein.

Für Eltern bedeutet ein späterer Einstieg allerdings nicht, dass das Thema damit erledigt ist. Auch dann muss das Kind den Umgang mit dem Smartphone Schritt für Schritt lernen. Umgekehrt bedeutet ein frühes Smartphone auf keinen Fall, dass das Kind sofort alles alleine und ohne Begleitung nutzen sollte.

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Was Eltern vor dem ersten Smartphone bedenken sollten

Die Entscheidung hat auch mit den eigenen Werten zu tun. Eltern bringen ihre eigene Geschichte mit digitalen Medien mit. Manche sind mit Medien selbstverständlich aufgewachsen. Andere haben eine ganz andere Haltung dazu.

Im Gespräch betonen die Medienexpert:innen deshalb, dass Eltern sich zunächst mit ihren eigenen Ängsten und Wertvorstellungen auseinandersetzen sollten. Es ist wenig ratsam, gegen die eigenen Werte zu entscheiden.

Wenn Eltern eigentlich grundsätzlich gegen digitale Geräte im Haus sind, das Kind aber unbedingt ein Smartphone möchte, kann dieser Widerspruch später zum Konflikt werden.

Gleichzeitig braucht die Begleitung Zeit. Eltern sollten bereit sein, diese Zeit zu investieren.

Sie müssen außerdem damit rechnen, dass Dinge schiefgehen. Das wird passieren. Kinder können zum Beispiel Inhalte geschickt bekommen, die sie verstören und überfordern könnten: gewalthaltige Videos oder pornografische Inhalte. Das eigene Kind hat darauf zunächst keinen Einfluss, weil andere Kinder etwas schicken können.

Auch deshalb sollte es nicht darum gehen, jede Schwierigkeit zu verhindern. Viel wichtiger ist die Frage: Wie gehen wir damit um, wenn etwas schiefgeht?

Kontrolle oder Sicherheit: Wie viel Begleitung ist sinnvoll?

Eltern können bestimmte Tools nutzen, um Kinder vor bestimmten Inhalten zu schützen und die Bildschirmzeit im Blick zu behalten. Die Medienexpert:innen empfehlen z.B. Google Family Link  oder  Ohana. Bei Apple-Geräten gibt es die Familienfreigabe.

Als Lehrkraft musst du nicht jedes einzelne Tool kennen und dazu beraten. Aber du kannst Eltern verdeutlichen: Wichtig ist die Haltung, mit der sie solche Tools nutzen.

Dass Kinder gute digitale Gewohnheiten entwickeln, liegt vor allem in der Verantwortung der Eltern. Die Kontrolle sollte daher nicht komplett an Apps und Tools abgegeben werden.  Denn technische Regeln lassen sich umgehen – und Kinder sind sehr erfinderisch darin. Sie können sich zum Beispiel anderswo ins Internet einloggen oder das Handy einer Freundin nutzen.

Besonders kritisch wird im Gespräch die Standortkontrolle gesehen. Die Möglichkeit, jederzeit zu sehen, wo sich das eigene Kind befindet, kann zur einengenden Überwachung  werden. Das Beispiel einer Smartwatch macht das deutlich: Eine Mutter kam in die Schule, weil die Uhr einen anderen Standort angezeigt hatte. Sie hatte mehrfach versucht herauszufinden, wo ihr Kind sei.

Dabei geht es um eine wichtige Frage: Müssen die Eltern wirklich jederzeit wissen, wo sich ihr Kind aufhält?

Im Podcast sind wir uns einig: Für eine gesunde Entwicklung brauchen Kinder Freiraum. Sie sollen sich Stück für Stück die Welt erobern können. Selbstverständlich kann die Standortfreigabe in einem Notfall hilfreich sein. Sie sollte aber nicht zur ständigen Kontrolle eingesetzt werden.

Ähnlich sensibel ist der Blick auf private Chats. Im Gespräch warnen die Medienexpert:innen davor, heimlich die Nachrichten des Kindes zu lesen. Das wird mit dem Lesen eines Tagebuchs verglichen. Eine solche Kontrolle kann langfristig Vertrauen beschädigen.

Klassenchat: Wie kannst du Kinder fit dafür machen?

Der Klassenchat hat für Kinder und Jugendliche eine besondere Bedeutung. Die Peer-Gruppe trifft sich dort.

Früher ging man nachmittags einfach auf die Straße und schaute, wer zum Spielen da war. Heute kann der Klassenchat ein Teil dieses sozialen Raums sein. Das eigene Kind davon vollständig fernzuhalten, kann sich aus dieser Perspektive anfühlen wie Hausarrest.

Gleichzeitig entstehen dort Konflikte: Es werden beleidigende oder verächtliche Äußerungen verschickt. Kinder werden ausgegrenzt, indem nicht auf ihre Nachrichten geantwortet wird. Solche Chatverläufe können sich auf die Stimmung in der Klasse auswirken. Und auch, wenn du als Lehrkraft selbstverständlich nicht dabei bist im Klassenchat, bekommst du die Auswirkungen dieses Kommunikationskanals im Schulalltag mit.

Die Kinder müssen deshalb lernen, dass schriftliche Kommunikation anders funktioniert als ein Gespräch von Angesicht zu Angesicht. Im Klassenchat fehlen Stimme, Tonfall, Mimik und Gestik. Das kann schnell zu Missverständnissen und Streit führen.

Genau hier kannst du mit deinem Unterricht ansetzen, auch schon in der Grundschule. Und dafür musst du nicht selbst im Klassenchat sein.

Klassenchat im Unterricht thematisieren

Eine gute Möglichkeit liegt darin, die Unterschiede zwischen mündlicher und schriftlicher Kommunikation im Unterricht zu untersuchen.

Die Medienexpert:innen bringen dafür eine Idee aus ihren Workshops mit, die du ganz leicht in deinem Unterricht umsetzen kannst.

Zwei Kinder sitzen so nebeneinander, dass sie sich nicht sehen können. Als Sichtschutz können eine geschlossene Tür oder eine Wolldecke dienen.

Dann sprechen sie miteinander, ohne sich dabei zu sehen. Anschließend lässt sich besprechen: Was verändert sich, wenn ich die Mimik und Körpersprache meines Gegenübers nicht mehr sehe?

Von dort ist der Schritt zum Messenger nicht mehr weit. Die Kinder können erkennen: Wenn wir über einen Messenger schreiben, fehlt uns einiges von dem, was wir bei einem persönlichen Gespräch wahrnehmen.

Auch der Umgang mit schwierigen Situationen kann geübt werden. Was mache ich, wenn jemand beleidigt wird? Wie kann ich helfen? Wie kann ich zeigen, dass ich zu dem Kind halte?

Aus der Arbeit mit Schulklassen berichten Mareike und Henning, dass Kinder in solchen Situationen häufig gar nicht wissen, was sie tun können. Wenn eine fiese Beleidigung im Klassenchat auftaucht und gefragt wird: „Was macht ihr?“, entsteht oft Stille.

Dabei können kleine Reaktionen bereits einen Unterschied machen. Im Gespräch wird ein Beispiel genannt: Ein Kind hat Geburtstag. Eine Mitschülerin gratuliert, danach kommen plötzlich nur noch gemeine Nachrichten oder Sticker.

Um diese Gemeinheiten zu stoppen, könnten andere Kinder ebenfalls gratulieren. Oder jemand schreibt dem betroffenen Kind privat: „Ich fand das gerade auch gemein.“

Solche Handlungsalternativen können Kinder durch Erwachsene lernen, die sie bei der Mediennutzung begleiten. Das kann zu Hause passieren, aber auch im Klassenraum.

Du als Lehrkraft kannst gemeinsam mit den Kindern überlegen: Wie wollen wir mit solchen Situationen umgehen? Welche Möglichkeiten haben wir, wenn jemand ausgegrenzt oder komisch behandelt wird?

Dabei geht es nicht nur um den Klassenchat selbst. Es geht allgemein um soziales Miteinander.

Der Klassenchat endet nicht an der Klassenzimmertür

Vielleicht fragst du dich an dieser Stelle: Muss ich mich überhaupt mit dem Klassenchat beschäftigen?

Die Medienexpert:innen machen im Gespräch klar, dass Lehrkräfte nicht selbst Teil eines privaten Klassenchats sein sollten. Dennoch können Lehrkräfte nicht so tun, als hätte das Geschehen dort nichts mit Schule zu tun. Denn wenn Streit, Beleidigungen oder Ausgrenzung aus dem Klassenchat anschließend in der Schule spürbar werden, müssen Lehrkräfte damit umgehen.

Der Klassenchat kann also zum Thema im Unterricht werden, ohne dass die Lehrkraft selbst im Chat mitliest.

Für Eltern gilt wiederum: Sie können mit ihrem Kind darüber sprechen, was dort passiert. Sie können fragen, ob es Situationen gab, in denen das Kind nicht wusste, wie es reagieren soll. Sie können überlegen, ob das Kind jemandem hätte helfen können.

Eine Regel für den Klassenchat ist besonders wichtig

Ein vernünftiger Umgang mit dem Klassenchat bedeutet auch, gesunde Grenzen zu ziehen.

Katherine empfiehlt, den Gruppenchat nachts stumm zu schalten. Noch besser: Das Handy während der Schlafenszeit ganz aus dem Kinderzimmer verbannen. 

Aus ihrer Erfahrung kann Katherine berichten, dass manche Kinder sich nachts im Bett langweilen und deshalb zu chatten beginnen.

Außerdem weist sie darauf hin, dass viele Mobbingfälle nachts stattfinden. Dadurch können Schlaf und psychisches Wohlbefinden belastet werden.

Gute Fragen statt Regelplakat

Für einen Elternabend brauchst du als Lehrkraft also nicht das eine Regelplakat, das für alle Familien passt. Du kannst Eltern vielmehr dabei unterstützen, sich selbst die richtigen Fragen zu stellen:

Wann ist das erste Smartphone für mein Kind sinnvoll? Warum möchten wir es jetzt? Trauen wir uns als Eltern zu, unser Kind dabei zu begleiten? Welche Regeln passen zu unserer Familie? Wie gehen wir mit Kontrolle um? Und wie können wir unser Kind für den Klassenchat stärken?

Vielleicht ist genau das die wichtigste Botschaft für Eltern: Es geht nicht darum, alles richtig zu machen. Es geht darum, gemeinsam mit dem Kind zu lernen, Verantwortung zu übernehmen und immer wieder neu zu schauen, was gerade gebraucht wird.

Die aktuelle Elternabend-Seite der Medienmentorin greift genau diese Themen auf: erstes Smartphone, Klassenchat sowie „Regeln vs. Verbote“ und beschreibt das Angebot als gemeinsamen Elternabend für den digitalen Schulstart.

Elternabende mit geballter Medienkompetenz

Die drei Medienexpert:innen Katherine, Mareike und Henning bieten regelmäßig Medienkompetenz-Impulse an, die nicht nur für Eltern, sondern auch für dich als Lehrkraft sehr wertvoll sein können.

Hier geht’s zu ihren Angeboten: 

Webinar-Reihe für einen gechillten digitalen Familienalltag

Geballte Medienkompetenz: Elternabend

Wer schreibt hier eigentlich?

Hallo, ich bin Martina Schmidt, Expertin für Burnout-Prävention, Coachin, Resilienztrainerin und Ex-Lehrerin.

Ich unterstütze dich dabei, den Druck aus deinem Schulalltag herauszunehmen. Damit du gesund bleibst und mehr Energie hast für die Dinge, die dir am Herzen liegen.

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